Volkskunst Niederrhein

Entdecken Sie die reiche Tradition der Volkskunst am  Niederrhein.

Die niederrheinische Volkskunst des 17. und 18. Jahrhunderts zeichnet sich durch ihre schlichte, funktionale Gestaltung aus, die sowohl pragmatische Alltagsgegenstände als auch dekorative Kunstwerke umfasst. Sie ist eng mit der bäuerlichen Lebensweise verbunden und spiegelt die Werte und Traditionen der Region wider. Ein wesentliches Merkmal ist die Verwendung von regionalen Materialien, insbesondere Holz und Irdenware, die oft mit bleiglasierten Oberflächen verziert wurden. Diese Irdenware war besonders in Städten wie Kalkar, Krefeld-Hüls und Kevelaer verbreitet. Die Malerei auf Möbeln und Keramiken zeichnet sich durch eine Kombination aus floralen und geometrischen Mustern aus, oft in rot, grün und ocker.

Besonders auffällig ist der niederländische Einfluss, der durch die Nähe zum Niederland und den Handelskontakt im 17. Jahrhundert verstärkt wurde. Typische Motive wie Tulpen, Nelken und Weinranken zeigen diesen Einfluss auf die Gestaltung. Zudem gibt es holländische Einflüsse in der Figurenmalerei und der Verwendung von blau-weißen Farbkontrasten, jedoch auf Irdenware statt auf Fayencen. Der religiöse Einfluss ist in der Kunst dieser Zeit ebenfalls stark erkennbar, mit zahlreichen Votivgaben, Heiligenfiguren und Hausaltären, die sowohl als Schutzsymbole als auch als Ausdruck des glaubensgebundenen Lebens dienten.

Der bäuerliche Alltag und die Hochzeits- und Aussteuertradition spiegeln sich in der Dekoration von Truhen, Schränken und Töpferwaren wider, die häufig mit Initialen und hochzeitlichen Symbolen verziert waren. Rankenornamente, Palmetten und geometrische Muster sind ebenfalls typische Merkmale. Besonders die Tulpenmotive und die Herzsymbolik auf Möbeln und Keramiken sind Ausdruck der Hoffnung auf Fruchtbarkeit und Liebe. Auch Wappenmotive fanden Eingang in die Kunst, was den Einfluss der bürgerlichen und adligen Kultur widerspiegelt.

Die Volkskunst am Niederrhein war dabei nicht nur ästhetisch, sondern auch symbolisch und praktisch. Sie diente sowohl der verschönerung des Alltags als auch dem Schutz und der Huldigung religiöser Werte. Dieser kunsthandwerkliche Ausdruck verbindet die Region mit der holländischen Barockkunst und einem praktischen, regionalen Stil. Die Integration von regionaler Identität und handwerklicher Tradition in der Volkskunst des Niederrheins machte sie zu einem wichtigen kulturellen Erbe dieser Zeit.